Medizin & Trends

Plötzliches Nasenbluten aus einem Nasenloch: Meist harmlos, manchmal ein Warnsignal

Plötzliches Nasenbluten aus einem Nasenloch kann erschrecken, obwohl hinter dem sichtbaren Blut häufig nur ein winziges verletztes Gefäß steckt. Rund 60 Prozent der Menschen erleben mindestens einmal im Leben Nasenbluten, medizinisch Epistaxis genannt.

Etwa 80 bis 90 Prozent der Blutungen entstehen im vorderen Bereich der Nase, meist an der Nasenscheidewand rund um den Locus Kiesselbachii. Gerade dort liegt ein dichtes Netz feiner Gefäße unmittelbar unter einer empfindlichen Schleimhaut.

Dass nur eine Seite betroffen ist, spricht daher nicht automatisch für eine ernsthafte Erkrankung. Trockene Luft, kräftiges Schnäuzen oder Bohren in der Nase reichen häufig aus, um die Nasenschleimhaut zu verletzen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen wiederkehrendes oder starkes Nasenbluten ärztlich abgeklärt werden sollte. Entscheidend sind Dauer, Stärke, Begleitsymptome und die Umstände, unter denen die Blutung auftritt.

Was bedeutet es, wenn nur ein Nasenloch blutet?

Was bedeutet es, wenn nur ein Nasenloch blutet?

Blutet es plötzlich aus einem Nasenloch, liegt die Ursache häufig direkt auf der betroffenen Seite. Die Nasenschleimhaut ist stark durchblutet und im vorderen Teil der Nase verlaufen zahlreiche kleine Blutgefäße dicht unter der Oberfläche.

Genau dort entstehen die meisten Blutungen, weshalb einseitiges Nasenbluten keineswegs ungewöhnlich ist. In den meisten Fällen lässt sich die Blutungsquelle auf einen kleinen Bereich begrenzen.

Typische lokale Ursachen sind trockene Schleimhäute, kräftiges Schnäuzen, ein Schlag auf die Nase oder kleine Verletzungen durch einen Finger. Auch eine schiefe Nasenscheidewand kann Luftströmungen verändern und einzelne Schleimhautbereiche stärker austrocknen. Heizungswärme im Winter und stark klimatisierte Räume können diesen Effekt verstärken. Eine kleine Kruste genügt dann manchmal, damit beim Niesen oder Berühren erneut Blut austritt.

Der Locus Kiesselbachii ist eine empfindliche Gefäßzone

Der Locus Kiesselbachii liegt im vorderen Bereich der Nasenscheidewand und wird von mehreren arteriellen Gefäßästen versorgt. Weil die Gefäße dort oberflächennah verlaufen, ist dieser Abschnitt anfällig für kleine Verletzungen. Rund 90 Prozent der behandelten Fälle von Epistaxis werden dem vorderen Nasenbereich zugerechnet.

Eine vordere Blutung ist meistens harmlos und lässt sich durch Druck auf die Nasenflügel stoppen. Deutlich seltener stammt das Blut aus weiter hinten gelegenen Gefäßen. Diese Blutungen können stärker sein, Blut kann in den Rachen laufen und eine medizinische Behandlung erforderlich machen.

Ursachen für Nasenbluten reichen von trockener Luft bis zu Medikamenten

Zu den häufigsten Ursachen für Nasenbluten gehören lokale Reizungen und eine ausgetrocknete Nasenschleimhaut.

Kälte und trockene Raumluft begünstigen kleine Risse, während mechanische Belastungen die empfindliche Oberfläche zusätzlich verletzen können. Auch Entzündungen oder vorausgegangene Eingriffe im Bereich der Nase kommen als Auslöser infrage.

Mögliche Ursachen lassen sich grob in lokale und systemische Faktoren einteilen:

  • Trockene oder gereizte Nasenschleimhaut
  • Bohren in der Nase und kräftiges Schnäuzen
  • Verletzungen und Schläge gegen die Nase
  • Entzündungen und Infektionen
  • Fremdkörper in der Nase
  • Störungen der Blutgerinnung
  • Medikamente, die die Gerinnung beeinflussen
  • Gefäßerkrankungen wie Morbus Osler
  • selten Tumoren im Bereich von Nase, Nasennebenhöhlen oder Nasenrachen

Auch abschwellende Nasensprays verdienen Aufmerksamkeit. Werden entsprechende Präparate zu lange oder zu häufig verwendet, kann eine Rhinitis medicamentosa mit Rückstau der Schleimhautschwellung entstehen.

Beschrieben sind außerdem Schleimhautschäden, Trockenheit und Epistaxis. Die Vorstellung, dass Nasenspray grundsätzlich nach wenigen Tagen die Schleimhaut dauerhaft zerstört, wäre jedoch zu pauschal.

Warum aus heiterem Himmel Nasenbluten?

Nasenbluten kann ohne ersichtlichen Grund auftreten, obwohl häufig ein kleiner Auslöser vorausgegangen ist. Eine bereits trockene Nasenschleimhaut kann beim Niesen, Schnäuzen oder sogar während des Schlafs einreißen. Gelegentliches Nasenbluten nach einer kalten Nacht oder in stark beheizten Räumen ist daher nicht automatisch Grund zur Sorge.

Auch Bluthochdruck wird häufig mit spontanem Nasenbluten in Verbindung gebracht. Medizinisch ist der Zusammenhang differenzierter. Ein erhöhter Blutdruck kann dazu beitragen, dass eine bereits begonnene Blutung länger anhält, gilt jedoch nicht als wahrscheinliche alleinige Ursache einer Epistaxis.

Bei stark erhöhten Blutdruckwerten oder zusätzlichen Beschwerden wie heftigen Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Atemnot oder neurologischen Auffälligkeiten ist unabhängig vom Nasenbluten rasche ärztliche Hilfe erforderlich.

Welche Krankheit beginnt mit Nasenbluten?

Eine einzelne Blutung ist nur selten das erste eindeutige Zeichen einer bestimmten Erkrankung. Bei wiederholtem Nasenbluten kommen jedoch unter anderem Gerinnungsstörungen, Gefäßerkrankungen und Erkrankungen des blutbildenden Systems infrage.

Morbus Osler, auch hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie genannt, kann beispielsweise durch wiederkehrende spontane Epistaxis auffallen. Diffuse oder häufig wiederkehrende Blutungen können daher Anlass für weitere Untersuchungen sein.

Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente wie Warfarin oder andere Antikoagulanzien einnehmen, können ebenfalls länger oder wiederholt bluten. Das Medikament erzeugt die lokale Verletzung nicht zwangsläufig selbst, beeinflusst aber die Blutgerinnung. Antikoagulanzien sollten wegen einer Blutung niemals eigenständig abgesetzt werden. Wiederkehrende Episoden gehören ärztlich abgeklärt.

Plötzliches Nasenbluten aus einem Nasenloch richtig stoppen

Plötzliches Nasenbluten aus einem Nasenloch richtig stoppen

Plötzliches Nasenbluten aus einem Nasenloch lässt sich häufig mit wenigen Handgriffen kontrollieren. Die betroffene Person sollte sich aufrecht hinsetzen und den Kopf leicht nach vorne neigen. Anschließend werden die weichen Nasenflügel mit Daumen und Zeigefinger für 10 bis 15 Minuten ohne Unterbrechung zusammengedrückt. Durch den Mund kann währenddessen weitergeatmet werden.

Den Kopf nach hinten zu legen, ist keine geeignete Erste Hilfe. Das Blut läuft dann leichter in den Rachen und kann geschluckt werden, was unter anderem Übelkeit oder Erbrechen auslösen kann.

Ein Kühlpack auf dem Nasenrücken kann ergänzend ausprobiert werden, allerdings ist die wissenschaftliche Evidenz für einen relevanten Effekt schwach. Nach dem Ende des Nasenblutens sollte für einige Stunden auf kräftiges Schnäuzen, Manipulation an Krusten und starke körperliche Belastung verzichtet werden.

Nasenbluten bei Kindern hat häufig lokale Ursachen

Nasenbluten bei Kindern ist häufig und meistens harmlos. Trockene Schleimhäute und mechanische Reizung spielen eine große Rolle, weil der vordere Bereich der Nase empfindlich ist.

Aufmerksamkeit ist jedoch angebracht, wenn eine Blutung regelmäßig nur aus derselben Seite kommt. Vor allem einseitiger übelriechender, eitriger oder blutiger Ausfluss kann auf einen Fremdkörper hinweisen.

Kleine Kinder stecken sich beispielsweise Perlen, Papier, Bohnen oder andere Gegenstände in die Nase, ohne dass Erwachsene es bemerken. Knopfbatterien stellen einen akuten Sonderfall dar, weil sie innerhalb kurzer Zeit schwere Gewebeschäden verursachen können und umgehend medizinisch entfernt werden müssen. Bei wiederkehrendem einseitigem Nasenbluten zusammen mit auffälligem Sekret sollte deshalb ein HNO-Arzt die Ursache abklären.

Bei welchem Tumor Nasenbluten?

Tumoren gehören zu den seltenen Ursachen von Nasenbluten. Blutiger Nasenausfluss oder wiederkehrende Epistaxis können unter anderem bei Tumoren des Nasenrachens auftreten. Ein Nasopharynxkarzinom kann zusätzlich eine anhaltende einseitige Nasenverstopfung, einen einseitigen Hörverlust, einen Knoten am Hals, Kopfschmerzen oder andere Beschwerden verursachen.

Eine einzelne kurze Blutung ist jedoch kein typischer Hinweis auf Krebs. Auffälliger sind Beschwerden, die über Wochen bestehen, wiederkehren oder sich mit weiteren einseitigen Symptomen verbinden.

In seltenen Fällen können auch andere Neubildungen der Nasenhöhle oder Nasennebenhöhlen Blutungen hervorrufen. Wiederkehrendes einseitiges Nasenbluten ohne erkennbare lokale Ursache sollte daher untersucht werden, statt allein anhand des Symptoms Rückschlüsse zu ziehen.

Vorderes und hinteres Nasenbluten unterscheiden sich deutlich

Vorderes und hinteres Nasenbluten unterscheiden sich deutlich

Die große Mehrheit der Episoden entsteht vorne aus der Nase. Dort kann die Blutungsquelle häufig gesehen und durch Kompression, Veröden oder andere lokale Verfahren behandelt werden. Eine hintere Blutung ist seltener und kann schwieriger zu kontrollieren sein. Blut, das stark in den Rachen läuft, kann ein Hinweis darauf sein, dass die Quelle weiter hinten liegt.

Bei einer stärkeren Blutung kann medizinisch eine Tamponade erforderlich werden. Ist eine konkrete Blutungsstelle sichtbar, kommt auch eine chemische oder elektrische Verödung infrage.

Schwere Blutungen benötigen mitunter weitergehende HNO-ärztliche Verfahren. Gerade ältere Menschen sowie Personen mit Gerinnungsstörungen oder gerinnungshemmender Medikation sollten anhaltende Blutungen nicht unterschätzen.

Wann zum Arzt bei starkem oder wiederkehrendem Nasenbluten?

Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn häufigerem Nasenbluten keine erkennbare harmlose Ursache gegenübersteht oder die Episoden immer wieder auf derselben Seite auftreten. Auch ungewöhnlich starke Blutungen, Symptome einer Blutarmut oder eine bekannte Störung der Blutgerinnung sprechen für eine medizinische Abklärung. Gleiches gilt für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.

Bei der Zeitgrenze unterscheiden sich medizinische Empfehlungen etwas. Der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt eine Notfallabklärung bereits, wenn die Blutung trotz korrekter Kompression länger als 10 bis 15 Minuten anhält.

Sofortige ärztliche Hilfe ist außerdem angezeigt, wenn sehr viel Blut verloren geht, große Mengen Blut geschluckt werden, Atemprobleme auftreten, Schwäche oder Schwindel einsetzen oder die Blutung nach einer erheblichen Kopfverletzung begonnen hat.

Fazit: Plötzliches Nasenbluten aus einem Nasenloch ist meist harmlos

Plötzliches Nasenbluten aus einem Nasenloch entsteht meistens im vorderen Nasenbereich und hat häufig eine lokale Ursache. Trockene Nasenschleimhaut, kleine Verletzungen, kräftiges Schnäuzen und mechanische Reizung gehören zu den häufigsten Auslösern.

Rund 60 Prozent der Bevölkerung erleben mindestens einmal im Leben Nasenbluten, während nur ein kleiner Teil medizinische Behandlung benötigt.

Wichtig ist vor allem die richtige Reaktion. Kopf nach vorne, Nasenflügel konsequent zusammendrücken und die Blutung beobachten. Hält sie trotz korrekter Kompression länger als 10 bis 15 Minuten an, ist sie sehr stark oder treten Schwindel, Atemprobleme und andere auffällige Symptome hinzu, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Auch wiederkehrendes einseitiges Nasenbluten gehört abgeklärt, weil neben harmlosen lokalen Ursachen in seltenen Fällen Erkrankungen oder strukturelle Veränderungen dahinterstehen können.

Antwort verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

0 %